
Zu Gut Hermannsberg
Vor über 100 Jahren begann die Geschichte von Gut Hermannsberg als könglich-preussische Domäne. Mittlerweile wird das Weingut privat geführt. Gut Hermannsberg ist auf den Anbau von Riesling spezialisiert und bewirtschaftet 7 Lagen.
- Hermannsberg Monopol
- Steinberg
- Kupfergrube
- Felsenberg
- Rossel
- Rotenberg
- Bastei
5 der 7 Lagen liegen direkt um das Weingut herum, Rotenberg und Bastei liegen etwa 15 bis 20 Minuten entfernt. Neben Riesling wird auch noch Weißer Burgunder angebaut (früher auch Rotwein). Neben dem Weingut an sich gibt es außerdem ein Gästehaus und eine sehr schicke Vinothek. Gut Hermannsberg bietet über das Jahr hinweg einige Veranstaltungen an. Im Rahmen von Silvester konnten wir drei Tage auf dem Weingut verbringen und uns wurde jede Menge Programm und vor allem herausragende Kulinarik und natürlich Wein vom Feinsten kredenzt.
Der erste Tag
Wir wurden am ersten Tag direkt sehr freundlich von Frau Heine empfangen, die für die Gäste zuständig war. Zum Einstieg gab es direkt ein Gläschen des hauseigenen Riesling Sekts, bevor wir entspannt das Appartement im Gästehaus beziehen konnten. Zusammen mit uns waren 24 Gäste über Silvester auf dem Weingut beherbergt.
Am Abend erwartete uns direkt ein 3-Gänge-Menü und dazu jeweils ein von Sommelier Thomas Retzlik passend ausgewählter Wein serviert.
- Gruß aus der Küche
- Cremesuppe vom Hokkaido dazu Weißer Burgunder „Halbstück“ 2020
- Rücken vom Hirschkalb dazu Chateau Fourcas Dupre Listrac-Médoc 2014
- Duett vom Granny Smith dazu Steinberg Riesling Spätlese edelsüß 2019

Bereits der Gruß aus der Küche war ein Gedicht für den Gaumen. Serviert wurde panierte Gans mit Preiselbeeren.

Die Cremesuppe vom Hokkaido kam mit Sonnenblumenkernen und einer Garnele, verziert mit Öl. Exquisiter Auftakt des 3-Gänge-Menüs.

Der Rücken vom Hirschkalb wurde mit Rosenkohl und Macaire-Kartoffeln mit Rahm auf Rotkraut und Jus serviert. Angereichert war das Gericht mit Wacholder. Der Chateua Fourcas Dupre passte hervorragend zum Gericht.

Zum krönenden Abschluss wurde das Duett des Granny Smith serviert. Hierbei handelte es sich um verschieden zubereitete Apfelnachspeisen angerichtet mit Tonkabohnencreme, Bormbeeren und Honig.
Die Weinwanderung

Am nächsten Tag erwartete uns nach einem ausgiebigen und schmackhaften Frühstücksbuffet eine interessante Wanderung durch die Weinberge. Wir durften drei der sieben Lagen begutachten. Der erste Stopp lag direkt an der Zufahrtsstraße zum Weingut selbst, nämlich der namensgebende Hermannsberg. Diese Lage wird ausschließlich vom Gut Hermannsberg bewirtschaftet. In diesem Jahr hat man dort einen Teil des Bestandes komplett neu bepflanzt. Unser Wander-Guide Thomas Retzlik erklärte, dass es drei Jahre dauern wird, bis Trauben an die Reben wachsen und noch einmal etwa zwei weitere Jahre, bis man daraus wirklich Wein machen kann. In jedem Fall gab es ein Gläschen beim Stopp zu Trinken.

Um zur zweiten Lage zu kommen, mussten wir etwas den Berg hinaufsteigen. Die Lage Steinberg befindet sich oberhalb des Guts. Während wir hier etwas über die Bodenbeschaffenheit und die Lagerung des Weines lernten, durften wir natürlich wieder ein Schlücken probieren.
Die dritte und älteste Lage ist die Kupfergrube. Das Gut Hermannsberg erzeugt ausgezeichneten Wein aus Großen Gewächsen, die unter dem Siegel VDP geführt werden dürfen. Einer der spannendsten kommt aus der Kupfergrube. Interessante Historie ist außerdem die sogenannte Mördergrube, die ein Teil der Kupfergrube benennt. Der Abschnitt ist so steil, dass er sehr anstrengend zu bewirtschaften ist. In der Vergangenheit wurden dazu verurteilte Mörder in Zwangsarbeit verpflichtet.
Das Winter-BBQ

Nach der ausgedehnten Wanderung durften wir uns am Abend auf ein Winter-BBQ freuen. Florian Müller, der Koch des Anwesens, der selbst bereits in Sterneküchen gekocht hatte, befeuerte den Smoker und die Feuertonnen. Zu essen gab es Lachs, Roast-Beef, Schwein, Kartoffeln und Würste nach seinem eigenen Rezept. Zusammen mit einem befreundeten Metzger hat Herr Müller innerhalb von sechs Wochen drei Rezepturen für Würste erarbeitet. Er behauptet, er konnte danach ein halbes Jahr keine Würste mehr essen. Herausgekommen ist unter anderem eine Kalbfleisch-Käsekrainer, die seitdem zu meinen Lieblings-Grillwürsten zählt. Leider sind die Würste nicht im Handel erhältlich.
Zum BBQ-Buffet gab es wieder eine vortreffliche Auswahl an Weinen, darunter auch ein Kupfergrube GG von 2015. Bei der Weinwanderung durften wir Jahrgang 2016 kosten. Hier merkt man ganz deutlich, wie unterschiedlich zwei Weine derselben Reben und Lagen schmecken können, die lediglich ein Jahr auseinander liegen. Lecker waren natürlich beide.
Sekt & Snacks

Dann war es soweit, Silvester stand vor der Tür. Um uns den Nachmittag zu verkürzen gab es gegen 13:30 Uhr eine kleine Snackbar begleitet vom hauseigenen Sekt in mehreren Varianten.


Neben schmackhaften Blinis mit Kräuterdip und verschiedenen Sorten exquisiten Kaviars wurde auch Brot gereicht.


Die Spezialität des Nachmittags bildeten jedoch frische Austern, die live von Herrn Müller wahlweise mit einem Spritzer Zitrone oder zusammen mit Spinat gratiniert serviert wurden. Es war wahrlich ein Gedicht für Feinschmecker.
Das Silvester-Gala-Dinner

Der Abend wurde mit einen warmen Aperitif draußen an den Feuertonnen eingeleitet. Der „russische Bär“ bestand aus Vodka, Apfelsaft, Zimt und etwas Orange und war sehr fruchtig. Anschließend ging es dann zum großen Silvester-Gala-Dinner, einem 4-Gänge-Menü mit Weinbegleitung.
- Gruß aus der Küche
- Duett von der Gans dazu Steinterassen Riesling 2017
- Cappuccino von der Marone dazu Weißer Burgunder „Halbstück“ 2018
- Hummerschwanz dazu Grappoli del Grillo 2019
- Kalbsfilet „rosa“ dazu Steinberg GG 2018
- Long Bar Topaz dazu Rotenberg Spätlese GG, edelsüß 2019

Hier erwartete uns einen Rolle von der Jakobsmuschel ummantelt mit Sepia, dazu Reh, Tartar von der Avocado, Dill und Chilli.

Das Duett von der Gans war zart. Dazu gab es Birne, die in Portwein eingelegt war, einen Portweinschaum, Feldsalat und Orangenmus.

Der Cappuccino bestand aus einer leckeren Maronensuppe. Dazu gab es die Brust einer Wachtel, Rucola und Sherry. Das Blätterteigteilchen hat uns neben der Suppe an sich am besten geschmeckt bei diesem Gang.

Der Hummerschwanz wurde auf Risotto und zusammen mit Rauch, Erbsenmus, Miso, Safran, Kaviar von der Forelle und Rauch serviert.

Das Kalbsfilet kam zusammen mit Karotten, Kartoffelpuffer, Zucchini, roter Beete, Wiesenkräutern, Trüffel und Riesling auf den Tisch.

Und zum Abschluss gab es einen langen Schokoriegel, der mit reichlich weiteren Süßspeisen garniert war. Dabei waren Passionsfrucht, Mango, Zartbitter, Pistatzien, Basilikumcreme und ein Macron.
Um Punkt Mitternacht wurde die Magnum Sekt mit einem Messer geköpft, wir entzündeten Wunderkerzen. Feuerwerk war leider keines im Dorf neben an zu sehen (dafür hörte man aber Jubel und Feiergeräusche). Wir ließen 2021 mit „Sekt bis zum Abwinken“ ausklingen und konnten dank des reichlichen und hervorragenden Essens und der hohen Qualität des Alkohols das Jahr 2022 unbeschädigt starten.
Fazit
Die Tage auf Gut Hermannsberg waren ein wahrgewordener Traum. Wir waren zum ersten Mal wirklich auf einem Weingut und waren sofort begeistert. Der Service, das Personal, alles war wunderbar. Herr Müller konnte an einem Abend nicht zu uns an den Tisch kommen, kam am nächsten Tag dafür als erstes zu uns. Seine Küche ist ein Meisterwerk, vor allem, wenn man bedenkt, dass er und sein Team mehrgängige Menüs in einer Küche zaubern, die niemals dafür vorgesehen war und viel zu klein ist. Thomas Retzlik nahm sich immer Zeit, um all die lästigen Fragen der Gäste (uns eingeschlossen) zu beantworteten und brachte mit Charme und Fachkenntnis viel Zauber in den Jahresabschluss. Die Zimmer unter der Leitung von Frau Heine waren wunderbar, wir fühlten uns wie zuhause.
Diesen Silvestertripp können wir nur jedem empfehlen, der auf exklusive und ausgefallene Menüs, Riesling und eine trotz alledem familiäre Atmosphäre wert legt.
Genussterne
