Silvester auf dem Weingut

Aussicht Gut Hermannsberg Geht es dir nicht auch so? Silvester rückt näher und so schön es ist, das neue Jahr mit seiner Familie oder den besten Freunden zu beginnen, so öde ist es doch auch, Jahr für Jahr immer wieder dasselbe zu erleben. Vom gemütlichen Zusammensitzen über Raclette oder Fondue, gemeinsames Dinner for One schauen, um Mitternacht Feuerwerk genießen und mit einem Glas Sekt anstoßen und dann ins Bett. Das war die Blaupause für jahrelange Silvesternächte mit meiner Familie. Doch nun dachte ich mir, das kann doch nicht so weitergehen? Wo bleibt das Abenteuer? Also haben meine Frau und ich beschlossen, mal was Neues auszuprobieren – Silvester auf einem Weingut. In unserem Fall „Gut Hermannsberg“ an der Nahe. Nun ist Wein natürlich nicht für jeden Menschen etwas. Deshalb möchte ich dir mit diesem kleinen Bericht einen Einblick verschaffen, was dich auf solch einem Silvesterabenteuer erwarten könnte. Natürlich bewerte ich dieses konkrete Erlebnis auch und ziehe für mich ein Fazit. Entscheide am Ende, ob das auch etwas für dich wäre! Und nun ohne weitere große Abschweifungen rein in die Rezension. Freu dich auf eine kurze Erklärung zum Weingut selbst und dem anschließenden ausführlichen Bericht zu meinen Tagen und vor allem natürlich den kulinarischen Vorzügen von meinem Silvester auf dem Weingut.

Was ist Gut Hermannsberg eigentlich?

Vor über 100 Jahren begann die Geschichte von Gut Hermannsberg als königlich-preussische Domäne. Mittlerweile wird das Weingut privat geführt. Gut Hermannsberg ist auf den Anbau von Riesling spezialisiert und bewirtschaftet 7 Lagen.

  • Hermannsberg Monopol
  • Steinberg
  • Kupfergrube
  • Felsenberg
  • Rossel
  • Rotenberg
  • Bastei

5 der 7 Lagen liegen direkt um das Weingut herum, Rotenberg und Bastei liegen etwa 15 bis 20 Minuten entfernt. Neben Riesling wird auch noch Weißer Burgunder angebaut (früher auch Rotwein). Neben dem Weingut an sich gibt es außerdem ein Gästehaus und eine sehr schicke Vinothek. Gut Hermannsberg bietet über das Jahr hinweg einige Veranstaltungen an. Wir konnten drei Tage zu Silvester auf dem Weingut verbringen und uns wurde jede Menge Programm und vor allem herausragende Kulinarik und natürlich Wein vom Feinsten kredenzt. Hier folgt meine ausführliche Rezension zu Silvester auf dem Weingut Gut Hermannsberg.

Tag eins auf Gut Hermannsberg

Wir wurden am ersten Tag direkt sehr freundlich von Frau Heine empfangen, die für die Gäste zuständig war. Zum Einstieg gab es direkt ein Gläschen des hauseigenen Rieslingsekts, bevor wir entspannt das Appartement im Gästehaus beziehen konnten. Zusammen mit uns waren 24 Gäste über Silvester auf dem Weingut beherbergt. Am Abend erwartete uns direkt ein 3-Gänge-Menü und dazu jeweils ein von Sommelier Thomas Retzlik passend ausgewählter Wein serviert.
  • Bereits der Gruß aus der Küche war ein Gedicht für den Gaumen. Serviert wurde panierte Gans mit Preiselbeeren.
  • Die Cremesuppe vom Hokkaido kam mit Sonnenblumenkernen und einer Garnele, verziert mit Öl. Exquisiter Auftakt des 3-Gänge-Menüs. Passend dazu wurde der weiße Burgunder „Halbstück“ 2020 serviert.
  • Der Rücken vom Hirschkalb wurde mit Rosenkohl und Macaire-Kartoffeln mit Rahm auf Rotkraut und Jus serviert. Angereichert war das Gericht mit Wacholder. Der Chateau Fourcas Dupre Listrac-Médoc 2014 passte hervorragend zum Gericht.
  • Zum körnenden Abschluss wurde das Duett vom Granny Smith serviert. Hierbei handelte es sich um verschieden zubereitete Apfelnachspeisen, angerichtet mit Tonkabohnencreme, Brombeeren und Honig. Dazu reichte man den Steinberg Riesling Spätlese edelsüß 2019.

Weinwanderung auf dem Weingut

Gut Hermannsberg Weinberg Am nächsten Tag erwartete uns nach einem ausgiebigen und schmackhaften Frühstücksbuffet eine interessante Wanderung durch die Weinberge. Wir durften drei der sieben Lagen begutachten. Der erste Stopp lag direkt an der Zufahrtsstraße zum Weingut selbst, nämlich der namensgebende Hermannsberg. Diese Lage wird ausschließlich vom Gut Hermannsberg bewirtschaftet. In diesem Jahr hat man dort einen Teil des Bestandes komplett neu bepflanzt. Unser Wander-Guide Thomas Retzlik erklärte, dass es drei Jahre dauern wird, bis Trauben an die Reben wachsen und noch einmal etwa zwei weitere Jahre, bis man daraus wirklich Wein machen kann. In jedem Fall gab es ein Gläschen beim Stopp zu trinken. Genussmann auf Weinwanderung Um zur zweiten Lage zu kommen, mussten wir etwas den Berg hinaufsteigen. Die Lage Steinberg befindet sich oberhalb des Guts. Während wir hier etwas über die Bodenbeschaffenheit und die Lagerung des Weines lernten, durften wir natürlich wieder ein Schlückchen probieren. Die dritte und älteste Lage ist die Kupfergrube. Das Gut Hermannsberg erzeugt ausgezeichneten Wein aus „Großen Gewächsen“ (GG), die unter dem Siegel VDP geführt werden dürfen. Einer der spannendsten kommt aus der Kupfergrube. Interessante Historie ist außerdem die sogenannte Mördergrube, die ein Teil der Kupfergrube benennt. Der Abschnitt ist so steil, dass er sehr anstrengend zu bewirtschaften ist. In der Vergangenheit wurden dazu verurteilte Mörder in Zwangsarbeit verpflichtet.

Das Winter-BBQ

Gut Hermannsberg Winter-BBQ Nach der ausgedehnten Wanderung durften wir uns am Abend auf ein Winter-BBQ freuen. Florian Müller, der Koch des Anwesens, der selbst bereits in Sterneküchen gekocht hatte, befeuerte den Smoker und die Feuertonnen. Zu essen gab es Lachs, Roastbeef, Schwein, Kartoffeln und Würste nach seinem eigenen Rezept. Zusammen mit einem befreundeten Metzger hat Herr Müller innerhalb von sechs Wochen drei Rezepturen für Würste erarbeitet. Er behauptet, er konnte danach ein halbes Jahr keine Würste mehr essen. Herausgekommen ist unter anderem eine Kalbfleisch-Käsekrainer, die seitdem zu meinen Lieblingsgrillwürsten zählt. Leider sind die Würste nicht im Handel erhältlich. Zum BBQ-Buffet gab es wieder eine vortreffliche Auswahl an Weinen, darunter auch ein Kupfergrube GG von 2015. Bei der Weinwanderung durften wir Jahrgang 2016 kosten. Hier merkt man ganz deutlich, wie unterschiedlich zwei Weine derselben Reben und Lagen schmecken können, die lediglich ein Jahr auseinander liegen. Lecker waren natürlich beide.

Sekt & Snacks

Silvester Sekt & Snacks Dann war es so weit, Silvester stand vor der Tür. Um uns den Nachmittag zu verkürzen, gab es gegen 13:30 Uhr eine kleine Snackbar, begleitet vom hauseigenen Sekt in mehreren Varianten. Neben schmackhaften Blinis mit Kräuterdip und verschiedenen Sorten exquisiten Kaviars wurde auch Brot gereicht. Die Spezialität des Nachmittags bildeten jedoch frische Austern, die live von Herrn Müller wahlweise mit einem Spritzer Zitrone oder zusammen mit Spinat gratiniert serviert wurden. Es war wahrlich ein Gedicht für Feinschmecker.

Silvester auf dem Weingut

Silvesterdekoration Der Abend wurde mit einen warmen Aperitif draußen an den Feuertonnen eingeleitet. Der „russische Bär“ bestand aus Wodka, Apfelsaft, Zimt und etwas Orange und war sehr fruchtig. Anschließend ging es dann zum großen Silvester-Gala-Dinner, einem 4-Gänge-Menü mit Weinbegleitung.
  • Beim Gruß aus der Küche erwartete uns eine Rolle von der Jakobsmuschel, ummantelt mit Sepia, dazu Reh, Tatar von der Avocado, Dill und Chili.
  • Das Duett von der Gans war überaus zart. Dazu gab es in Portwein eingelegte Birne, Portweinschaum, Feldsalat und Orangenmus. Abgerundet mit dem Steinterassen Riesling 2017.
  • Der Cappuccino bestand aus einer leckeren Maronensuppe. Dazu gab es die Brust einer Wachtel, Rucola und Sherry. Das Blätterteigteilchen hat uns neben der Suppe an sich am meisten an diesem Gang begeistert. Perfekt passend kam dazu der Weiße Burgunder „Halbstück“, diesmal aber Jahrgang 2018.
  • Der Hummerschwanz wurde auf Risotto und zusammen mit Rauch, Erbsenmus, Miso, Safran und Kaviar von der Forelle serviert. Dazu tranken wir den Grappoli del Grillo 2019.
  • Das Kalbsfilet „rosa“ kam zusammen mit Karotten, Kartoffelpuffer, Zucchini, roter Beete, Wiesenkräutern, Trüffel und dem Riesling Steinberg GG 2018 auf den Tisch.
  • Und zum Abschluss gab es einen langen Schokoriegel, den Long Bar Topaz, der mit reichlich weiteren Süßspeisen garniert war. Dabei waren Passionsfrucht, Mango, Zartbitter, Pistazien, Basilikumcreme und ein Macron. Auch beim Wein erhielten wir mit dem Rotenberg Spätlese GG edelsüß 2019 einen fantastischen Abschluss.
Um Punkt Mitternacht wurde die Magnum Sekt mit einem Messer geköpft, wir entzündeten Wunderkerzen. Feuerwerk war leider keines im Dorf neben an zu sehen (dafür hörte man aber Jubel und Feiergeräusche). Wir ließen 2021 mit „Sekt bis zum Abwinken“ ausklingen und konnten dank des reichlichen und hervorragenden Essens und der hohen Qualität des Alkohols das Jahr 2022 unbeschädigt starten.

Fazit

Die Tage auf Gut Hermannsberg waren ein wahrgewordener Traum. Wir waren zum ersten Mal wirklich auf einem Weingut und waren sofort begeistert. Der Service, das Personal, alles war wunderbar. Herr Müller konnte an einem Abend nicht zu uns an den Tisch kommen, kam am nächsten Tag dafür als Erstes zu uns. Seine Küche ist ein Meisterwerk, vor allem, wenn man bedenkt, dass er und sein Team mehrgängige Menüs in einer Küche zaubern, die niemals dafür vorgesehen war und viel zu klein ist. Thomas Retzlik nahm sich immer Zeit, um all die lästigen Fragen der Gäste (uns eingeschlossen) zu beantworteten und brachte mit Charme und Fachkenntnis viel Zauber in den Jahresabschluss. Die Zimmer unter der Leitung von Frau Heine waren wunderbar, wir fühlten uns wie zu Hause.

Silvester auf dem Weingut Gut Hermannsberg können wir jedem empfehlen, der auf exklusive und ausgefallene Menüs, Riesling und eine trotz alledem familiäre Atmosphäre wert legt.

Wenn du dich für exquisite Küche mit Weinbegleitung begeistern kannst, dann liest doch auch meine Rezension zum Huberwirt in Pleiskirchen.

Genusssterne

5/5

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